FarbenlehreFarbe beeinflusse das Gefühl und wirke dadurch direkt auf die „Seele“ und somit auch auf die Einheit von Körper und Geist. (Goethe). Er unterteilte in schöne Farben, die dem Betrachter sympathisch sind und unsympathische, die dem Auge weh tun. Eine besondere Form der Farbenlehre ist die Harmonielehre, die sich mit dem Zusammenspiel von Farben (Farbtönen) befasst. Dieses Zusammenspiel ist stark vom Kulturkreis, individueller Erfahrung und der künstlerischen Absicht beeinflusst. Wesentliche Schöpfer von Farblehren sind auch Vertreter von Harmonielehren oder flochten Betrachtungen zu Farbharmonie in ihre Farbenlehre ein.(Goethe, Ostwald, Küppers) Das Mischen von Malfarben oder Pigmenten ist eine so genannte subtraktive Farbmischung. Die Mischung von Lichtstrahlen ist dagegen eine additive Farbmischung. In dieser Sammlung wird auf die Modelle der subtraktiven Farbmischung eingegangen.
Eines der zentralen Elemente der Farbtheorie Goethes ist sein Farbkreis aus den Grundfarben Gelb, Blau und Rot und deren Mischfarben Grün, Orange und Violett. Seine Farbtheorie beruht auf dem polaren Gegensatz zwischen Hell und Dunkel, zwischen Licht und Finsternis – zwischen Gelb und Blau. Gelb liegt demnach an der Grenze zur Helligkeit und Blau an der Grenze zur Dunkelheit. Alle anderen Farben entstehen aus einer Mischung dieser beiden Pole beziehungsweise einer Steigerung der beiden Pole durch die Beimischung von Rot bis zum reinen Rot im Scheitelpunkt des Kreises. Den linken, von Blau nach Rot verlaufenden Teil des Farbkreises bezeichnete er als die Minusseite, den rechten, von Gelb nach Rot verlaufenden Teil als die Plusseite. Grün im unteren Teil des Farbkreises ist schlicht die Mischung aus Gelb und Blau. Auf allgemeine Anerkennung stieß Goethe mit seinen Ausführungen allerdings nicht – zumal seine Theorie mitunter kaum zu verstehen ist. Behauptete er zudem noch beharrlich, Newton hätte sich mit seiner Erklärung geirrt, weißes Licht enthalte alle Farben. Mit diesem Einwand lag Goethe eindeutig falsch. So blieb Goethes Farbenlehre Zeit seines Lebens und lange darüber hinaus umstritten und in vielen Aspekten unverstanden. **Der Maler Philipp Otto Runge ordnete im Jahre 1810 die Farben samt ihrer Abstufungen in verschiedenen Sättigungen und Helligkeiten auf einem Globus an und schuf damit die erste dreidimensionale Darstellung, die auch nach modernen Gesichtspunkten vollständig und korrekt ist. Sein Ansatz war eher intuitiv, doch mit der korrekten Umsetzung beschäftigte er sich viele Jahre lang. Stark beeinflusst wurde der Maler durch Johann Wolfgang von Goethe, mit dem er einen engen Kontakt pflegte. Seine Farbenkugel war Philipp Otto Runges Lösungsansatz für die Problematik, welche die subtraktive Farbmischung mit sich bringt. Da die Ergebnisse subtraktiver Farbmischungen sehr schwer vorhersagbar sind, wollte er ein zuverlässiges Mischsystem erstellen, das die Reproduzierbarkeit von Mischungen gewährleisten kann. Auch die perspektivische Darstellung von Gegenständen und die damit verbundenen Helligkeitsunterschiede der Farben beschäftigten den Künstler. Runge definiert fünf Farben als Elemente aller Mischungen: Weiß, Schwarz, Blau, Gelb, Rot. Da Weiß und Schwarz jedoch den Gegensatz von Hell und Dunkel oder Licht und Schatten darstellen und so die anderen Farben in ihrer Helligkeit zu beeinflussen vermögen, sondert er diese wieder ab und stellt sie den anderen Farben gegenüber. Auf der Erdachse verlaufen in seinem System die unbunten Grautöne von Schwarz nach Weiß. Im Mittelpunkt des Globus liegt ein vollkommen neutrales Grau. Blau, Gelb und Rot und die aus diesen Farben resultierenden Mischfarben bilden in seinen Augen ein Kontinuum, das er auf dem Äquator seines Globus ansiedelt. Die Farben auf dem Äquator liegen in ihrer kräftigsten Ausprägung, also voll gesättigt vor. Zum Nordpol hin werden sie durch die Beimischung von Weiß immer heller und verlieren sich schließlich im Weiß. Zum Südpol hin lässt Runge die Farben durch die Beimischung von Schwarz immer dunkler werden bis zum reinen, unbunten Schwarz. In Richtung der Erdachse verlieren sie an Sättigung, bis sie sich schließlich im Grau verlieren. Damit hat Runge ein System geschaffen, das alle möglichen Farben inklusive ihrer Abstufungen in Helligkeit und Sättigung enthält. Auch nach heutigen Gesichtspunkten ist die Rungesche Farbenkugel vollkommen korrekt. ![]() Phillip Otto Runge hat die Farben in seinem System in einem Globus angeordnet. Links die Ansicht der Kugel auf den weißen, rechts auf den schwarzen Pol. ![]() In der Rungekugel sind die Farben nicht nur auf der Oberfläche des Globus angeordnet, sondern auch im Inneren der Kugel. Links ein Querschnitt durch den Äquator, in dem zu erkennen ist, wie die Sättigung der Farben zum Mittelpunkt hin abnimmt. Rechts ein Längssschnitt durch die Pole entlang der Erdachse, in dem die Helligkeitsunterschiede zwischen Nord- und Südpol deutlich werden. WissenswertesDie Ordnung der Farben beschäftigt Gelehrte und Wissenschaftler seit vielen hundert Jahren. Aristoteles machte sich bereits Gedanken zur Ordnung der Farben, doch die ersten Farbsysteme entstanden erst im 17. Jahrhundert. Schon bald erkannten die Gelehrten, dass zu einer vollständigen Darstellung dreidimensionale Systeme nötig sind. So entwickelten sie Farbenkugeln und Farbenpyramiden, wie sie auch Goethe in seiner Farbenlehre beschrieb. Auf diesem Wissen aufbauend entstanden schließlich die vielseitig einsetzbaren modernen Farbsysteme. Schon die Philosophen der Antike stellten Überlegungen zu Farben, Farbmischungen und möglichen Systematisierungen an. Aristoteles versuchte zum Beispiel, Farben zu mischen, indem er Licht durch bunte Glasstücke fallen ließ. Weiterhin stellte er allgemeine Beobachtungen über das Verhalten von Farben unter verschiedenen Bedingungen an. Auch Platon machte sich Vorstellungen über Farben, die allerdings mit heutigen Theorien wenig gemeinsam haben. Ebenso versuchte Leonardo da Vinci später, eine Ordnung in Farben zu bringen. Er erkannte wohl als Erster den Unterschied von primären Grundfarben und sekundären Farben, die aus primären mischbar sind. **Das erste bekannte, offensichtlich dreidimensionale Farbsystem schuf der Mathematiker, Physiker, Astronom und Philosoph Johann Heinrich Lambert im Jahr 1772. Mit seiner Farbenpyramide entwarf der Gelehrte eine Farbmusterkarte, die Textilhändlern, Färbern, Malern und Druckern den Umgang mit Farben erleichtern sollte. Sie ist daher ein sehr praxisorientiertes System, welches das schnelle und unkomplizierte Einordnen von Farben ermöglicht. Insgesamt 107 Farben ordnete Lambert in einer Pyramide mit sieben dreieckigen Etagen an. Dazu kommt das Weiß an der Spitze der Pyramide. Er entwarf das System in Form eines offenen, dreieckigen, in Fächer eingeteilten Kastens in perspektivischer Darstellung. An den Eckpunkten der jeweiligen Dreiecke befinden sich Felder mit den Grundfarben Rot, Blau und Gelb, genauer Carmin, Berlinerblau und Gummigutt. Diese Grundfarben werden auf den übrigen Feldern der einzelnen Etagen in genau definierten Verhältnissen miteinander gemischt. So wird der Mischung zum Beispiel auf jedem Feld auf dem Weg zwischen den Farben Gelb und Rot ein Anteil Gelb weniger und ein Anteil Rot mehr hinzugefügt. Die unterste Ebene enthält 45 Felder. Es befinden sich je 7 Mischfarben zwischen den Grundfarben und 21 Farbfelder in der Mitte. Das darüber liegende Dreieck hat insgesamt 28 Felder mit jeweils 5 Mischungen zwischen den Grundfarben und mit 10 Farben in der Mitte. Im dritten Dreieck sind es noch 15 Farbfelder mit 3 Mischfarben zwischen Rot, Gelb und Blau sowie 3 Feldern in der Mitte, im vierten 10 Farben mit 2 Mischfarben an den Kanten und einem Mittelfeld. Auf der fünften Etage sind die Grundfarben mit ihren Mischfarben Orange, Grün und Violett vertreten, während die sechste Ebene nur noch aus Rot, Gelb und Blau besteht. In der siebten Etage verlieren sich die Farben in einem einzigen Feld: Weiß. Während die Farben in der untersten Ebene noch sehr dunkel und kräftig sind, werden die Töne zur Spitze der Pyramide hin immer heller bis zum Weiß. Zur Mitte der Dreiecke hin werden die Farben durch die Mischung untereinander zunehmend ungesättigter, so dass im Mittelpunkt eine Unbuntachse von Schwarz nach Weiß entsteht. Lambert betrachtete die Gesamtheit der Farben als ein Kontinuum aus unendlich kleinen Stufen. Er wählte für seine Farbenpyramide eine Einteilung, die zwar klein genug zum praktischen Gebrauch war, jedoch nicht so klein, dass die Unterschiede zwischen den einzelnen Farben nicht mehr deutlich wahrnehmbar sind. Außerdem geht aus Lamberts Aufzeichnungen hervor, dass er einen Unterschied zwischen additiver und subtraktiver Farbmischung erahnte – so führte er zum Beispiel Versuche durch, bei denen er Licht durch Prismen fallen ließ und die bunten Lichtstreifen additiv miteinander mischte. Seine Farbenpyramide beruht aber auf rein subtraktiver Farbmischung. ![]() p(block).Die Farbenpyramide nach Lambert. Auf der Unterkante der Pyramide sind zwölf häufig gebrauchte Malerfarben zum Vergleich dargestellt: Neapolitanisches Gelb, Königsgelb/ Aurum, Rauchgelb, Bergblau, Schmalte, Indigo, Lampenschwarz, Saftgrün, Berggrün, Grünspan, Zinnober und Florentinerlack. |
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